Der Tisch

der Tisch (12)

Wer kennt ihn noch, den guten alten Putzhobel? – Wahrscheinlich die Meisten!  Doch die Wenigsten wissen, wofür er ursprünglich eingesetzt wurde. Bevor Anfang des 19. Jahrhunderts ein US-Amerikaner das Schleifpapier erfand, bearbeitete man die Holzoberfläche fertiger Bauteile – oder auch die Oberfläche ganzer Möbel – zum Schluss mit dem Putzhobel. Ziel war es, das Holz für den darauffolgenden Arbeitsschritt (das Ölen, Wachsen oder Lackieren) vorzubereiten bzw. zu „verputzen“, um Ausrisse die sich auch mit dem Doppelhobel nicht beseitigen ließen &-oder geringste Unebenheiten zu reduzieren. Mich persönlich fasziniert es, dass trotz des rasanten technischen Fortschrittes und der Verwendung des Schleifpapiers der Putzhobel vielen noch ein Begriff ist. Denn streng genommen ist eine gehobelte Oberfläche zwar geschlossenporiger als eine Geschliffene. Doch mit dem Schleifpapier und insbesondere mit den Schleifmaschinen lassen sich Holzoberflächen ökonomisch bearbeiten. Vielleicht ist der Putzhobel vielen Tischlern zumindest theoretisch noch ein Begriff, da er Gegenstand der konservativ geprägten Tischlerausbildung ist.

Heute findet man ihn verstaubt auf den Fensterbänken oder in den Werkzeugschränken der Tischlereien. Wenn er dann doch einmal benutzt wird, wird er meist falsch eingesetzt bzw. für zu grobe Arbeiten zweckentfremdet. Und anstelle mit dem Schlichthobel zu arbeiten, kommt Verwunderung darüber auf, dass das Hobelmaul permanent verstopft. Daher findet man heute überwiegend den „Baustellenhobel“ mit Metallsohle und Einwegschneiden in der Werkzeugkiste des Tischlers. Nachdem ich jahrelang mit diesem Werkzeug „unterwegs“ war, muss ich gestehen, dass mir der Metallhobel für meinen Geschmack zu schwer ist. Man könnte spöttisch behaupten, es handele sich um einen Schlichthobel für Grobmotoriker. Mir gefällt die Arbeit mit dem Schlichthobel aus Holz deutlich besser.

Beim Verputzen des Tisches wurden mir die besonderen Merkmale des Putzhobels, die ihn von den anderen Hobeltypen unterscheiden, noch einmal sehr deutlich. Optisch unterscheidet sich der Putzhobel nur wenig vom Schlicht-& Doppelhobel. Er ist 20mm kürzer. Beim Arbeiten machen sich die zwei Zentimeter aber bemerkbar. Denn mit diesem Werkzeug werden sehr feine Späne abgetragen und durch die kürzere Sohle ist weniger Druck erforderlich, da die Schneide näher am Werkstück liegt. Einfach gesagt, der Putzhobel fügt sich besser der Oberfläche. Er hat verglichen mit anderen Hobeln ein sehr schmales Hobelmaul und die Spanbrechkante liegt nah an der Schneide. Zusammen mit der Klappe des Hobeleisens sorgt dies für ein fast ausrissfreies Arbeiten (abhängig vom Faserverlauf). Anders als bei allen anderen Hobeln (mit 45 Grad), beträgt der Schneidwinkel des Hobeleisens 50 Grad. Vor der Arbeit sollte das Hobeleisen des Putzhobels noch einmal von Hand abgezogen werden. Je schärfer das Eisen, desto feiner kann der Span abgetragen werden. Auch geringste Unebenheiten werden von Mal zu Mal hörbar begradigt, in dem zunächst unregelmäßige und später gleichmäßige lichtdurchlässige Hobelspäne entstehen. Dieser Vorgang erfordert Geduld.

Nachdem alle Teile verputzt sind, können die im Licht schimmernden Übergänge auf der verputzen Holzoberfläche, die durch die leicht abgerundete Schneide des Hobeleisens entstehen (Abziehen von Hand), mit Hobelspänen herauspoliert werden.

Wenn Sie nun selbst zum Putzhobel greifen sollten, erhoffe ich mir Ihnen mit diesem Beitrag ein bisschen geholfen zu haben.