der Tisch (16)

Diese Dokumentation soll Aufschluss darüber geben, mit welch hohem Aufwand ein Möbelstück vor dem Beginn der Industrialisierung, hergestellt wurde. Meine hierbei erworbenen Kenntnisse veranschauliche ich dem Zuschauer durch diese Beitragsreihe. Außerdem soll dieses Projekt ein ökologisches Bewusstsein für den Werkstoff Holz schaffen und zu einem nachhaltigen Handeln/Konsum anregen. Insbesondere dient diese Dokumentation aber zu Ausbildungszwecken für das Tischlerhandwerk. Ich hoffe auch Sie hatten viel Freude beim Zuschauen dieses Kunstprojektes. Ich habe sehr viel Kritik darüber erhalten, dass sich heute kein Mensch so etwas leisten kann. Dem muss ich leider widersprechen. Ich habe zehn Jahre als Tischler für diese Kunden gearbeitet. Abgesehen davon werden in ausgewählten Möbelhäusern…

der Tisch (15)

Hartöl ist für einen Tisch in Massivholzbauweise der ideale Oberflächenschutz. Keine anderen Oberflächenmittel bieten meiner Ansicht nach einen so umfangreichen Schutz vor Umwelteinflüssen. Synthetische Lacke hingegen haben zwar den Vorteil, dass sie über Jahre leicht abwischbar sind. Jedoch sollte auch bei der Oberflächenveredelung das Arbeiten des Holzes nicht außer Acht gelassen werden. Der Nachteil von lackierten Massivholzplatten ist jedoch die Neigung zur Rissbildung, da sie dem Quellen und Schwinden des Holzes buchstäblich „nicht gewachsen“ sind. Hinzu kommt, dass synthetische Lacke bei Druckstellen etc. nachgeben und (ab)platzen. Gelangt in diese Schadstellen Wasser, ähnelt die Oberfläche schnell einer benutzten Bierzeltgarnitur (eine Bierzeltgarnitur entspricht einer anderen Beanspruchungsgruppe). Eine ökologisch…

der Tisch (14)

Nutklötze sind ein Garant für die fachgerechte Konstruktion eines Tisches. Sie fixieren die Tischplatte und gewähren dem Arbeiten des Holzes den nötigen Freiraum. Leider rückt auch diese Fertigungstechnik aufgrund des ökonomischen Leistungsdruckes mehr und mehr in den Hintergrund. Zunehmend beobachte ich, wie vermeintliche „Möbelbauer“ Stahlzargenkonstruktionen mit massiven Holzbohlen verschrauben, ohne im Entferntesten einen Gedanken daran zu verschwenden, wie sich Materialien bei Klimaschwankungen verändern. Mein Appell an die Kolleginnen und Kollegen: Jeder Lehrling sollte in seiner Lehrzeit mindestens einen Tisch in fachgerechter Konstruktion herstellen. Um sich hierüber näher zu informieren, empfehle ich Ihnen das Fachbuch „Der Möbelbau“ von Fritz Spannagel – ISBN: 9783878706663. Ein muss für jede/n…

der Tisch (13)

Das Verleimen eines fast fertigen Möbels ist für jeden Tischler ein aufregender Moment. Die Aufregung hierbei lässt sich durch eine gute Arbeitsvorbereitung begrenzen. Besonders deutlich wird dies in dem Moment, wenn der Leim aufgetragen ist und nur noch wenige Minuten bis zum Verpressen bleiben. Warum ist das so? Wenn der Weißleim frühzeitig abbindet, was bedeutet, dass sich ein trockener Film bildet, bevor die zueinander gefügten Teile miteinander verbunden werden, dann ist die dauerhafte Haltbarkeit der Verleimung nicht mehr gewährleistet. Das zeitnahe Zusammenpressen beider zu verleimenden Teile ist daher oberstes Gebot! Zu meiner Lehrzeit, damals noch eine kleine Tischlerei am Anfang der Betriebsgründung, gab es nichts schlimmeres,…

der Tisch (12)

Wer kennt ihn noch, den guten alten Putzhobel? – Wahrscheinlich die Meisten!  Doch die Wenigsten wissen, wofür er ursprünglich eingesetzt wurde. Bevor Anfang des 19. Jahrhunderts ein US-Amerikaner das Schleifpapier erfand, bearbeitete man die Holzoberfläche fertiger Bauteile – oder auch die Oberfläche ganzer Möbel – zum Schluss mit dem Putzhobel. Ziel war es, das Holz für den darauffolgenden Arbeitsschritt (das Ölen, Wachsen oder Lackieren) vorzubereiten bzw. zu „verputzen“, um Ausrisse die sich auch mit dem Doppelhobel nicht beseitigen ließen &-oder geringste Unebenheiten zu reduzieren. Mich persönlich fasziniert es, dass trotz des rasanten technischen Fortschrittes und der Verwendung des Schleifpapiers der Putzhobel vielen noch ein Begriff ist….

der Tisch (11)

Für die Herstellung der Hirnleisten bedarf es viel Fingerspitzengefühl. Aber wofür betreibe ich den ganzen Aufwand? Sie erfüllen zum Einen den Zweck der Stabilisierung der Tischplatte gegen sog. Torsionskräfte, die durch einen drehwüchsigen Stamm fast in jedem Holzbrett auftreten können. Außerdem sind die verkeilten Leisten, die über eine Nut und Feder mit der Platte verbunden werden, auch optisch sehr schön. Ich empfehle erst die Hirnleisten mit einer Nut zu versehen. Im Anschluss daran wird die Feder mit dem Falzhobel in die dazu gehörige Hirnleistennut eingepasst. Das Tischlerdreieck wird auf der Unterseite angerissen, sodass es bei der Zuordnung hilft. Der Keil, der von außen eingetrieben wird, hat…

der Tisch (10)

Langsam macht sich die Mühe bemerkbar. Etwa 30 Stunden beschäftige ich mich nun mit dem Projekt des kleinen Esstisches. Für den letzten Arbeitsschritt „das Zurichten der Tischplatte“, um den es heute geht, habe ich gute drei Stunden ununterbrochen gehobelt. Danach fühlte ich mich wie nach einem Besuch im Fitnessstudio. Die Oberfläche wies Anfangs starke Ausrisse auf, was an dem zwar bildschönen Faserverlauf aber leider auch dem Wuchsrichtungswechsel gelegen hat. Vor allem durch die große Spanabnahme des Schrupphobels entsteht eine hohe Vorspaltung. Nachdem ich mit dem Schlichthobel dann aber fast quer zur Faser hobelte, ließen die Ausrisse nach. Die Klappe des Raubankhobeleisens sorgte dann für das nötige…

der Tisch (9)

In der letzten Woche lag die Außentemperatur in Norddeutschland weit unter dem Gefrierpunkt. Auch die Temperatur in meiner unbeheizten Kellerwerkstatt wanderte in einen unzumutbaren Bereich. Darum war es mir nicht möglich die Arbeit des kleinen Esstisches fortzusetzen. Ich fing mir eine leichte Grippe ein und verbrachte die meiste Zeit zuhause im Bett und trank überdurchschnittlich viel Tee. Auf den gestrigen Tag habe ich mich dann aber besonders gefreut. Ich fühlte mich erholt und die frühlingshafte Temperatur lud mich ein, den nächsten Arbeitsschritt „das Verleimen der Tischplatte“, umzusetzen. Das Fügen der Kantenflächen war eine besondere Herausforderung. Wer es einmal selbst ausprobieren möchte, dem rate ich, die Geduld…

der Tisch (8)

Die Kunst ist es, mit wenigen stilistischen Mitteln Akzente zu setzen. Auf klassische Bauweisen zurückzugreifen und das Möbel dabei nicht überladen erscheinen zu lassen, so lautet auch das Prinzip vieler vergangener Stilepochen. Qualität ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Plattenwerkstoffe haben buchstäblich fast den gesamten Raum der heutigen Wohn-& Arbeitszimmer eingenommen. Diese Zeit in der vieles so kurzlebig scheint, in der wir Möbel usw. zu Saisonprodukten machen und sie nach kurzer Nutzungsdauer einfach an die Straße stellen, da wir mittlerweile sogar zu bequem geworden sind ein kurzes Kleinanzeigeninserat zu erstellen, wird uns sicherlich früher oder später noch zum Verhängnis werden. Aber nicht allen Ansprüchen können wir heute…

der Tisch (7)

Mit einem Lochbeitel beginne ich den heutigen Beitrag. Es handelt sich um ein fast vergessenes Werkzeug, welches auch im Zimmerhandwerk seine Anwendung findet. Doch auch ein Stecheisen wäre ein geeignetes Werkzeug, um die Löcher der Stollenfüße auszustemmen. Der Vorteil des Lochbeitels oder auch Schlitzeisen genannt, liegt in der geometrischen Form. Der dicke Stahl und die lange Fase eignen sich hervorragend, um den Span aus dem Loch zu heben. Hierbei wird von der Mitte heraus nach außen gearbeitet, wie es im Video gut zu erkennen ist. Mit diesem Werkzeug habe ich zuvor nur selten gearbeitet. Mit ein bisschen Übung ist man deutlich schneller als mit dem Stecheisen…